Ratgeber
Kratom ohne Pestizide und Schwermetalle? Was „laborgeprüft“ wirklich heißt
„Laborgeprüft“ und „pestizidfrei“ stehen auf vielen Kratom-Seiten. Was dahinterstecken sollte, welche Verunreinigungen tatsächlich gefunden wurden – und wo es keine Grenzwerte gibt.
Kratom ist ein getrocknetes Pflanzenpulver aus Südostasien, das nicht erhitzt wird und für das in Deutschland keine amtlichen Grenzwerte gelten. Verunreinigungen sind deshalb kein theoretisches Risiko: Behörden haben sie mehrfach nachgewiesen. Umso wichtiger ist, was hinter den Begriffen „laborgeprüft“, „schwermetallfrei“ oder „pestizidfrei“ steckt.
Kratom ohne Schwermetalle: Was die FDA fand
Die US-Arzneimittelbehörde FDA ließ 2019 30 Kratom-Produkte auf Schwermetalle untersuchen. Gefunden wurden Blei und Nickel in Konzentrationen, die über sicheren Tageswerten lagen. Die FDA warnte, dass Menschen bei langfristigem Gebrauch eine Schwermetallvergiftung entwickeln könnten, mit möglichen Schäden an Nerven und Nieren, Blutarmut, Bluthochdruck und erhöhtem Krebsrisiko.
Als Maßstab für Prüfprotokolle können die Grenzwerte dienen, die Tschechien 2025 für reguliertes Kratom festgelegt hat (Verordnung 448/2025 Sb.):
| Schwermetall | Grenzwert in Tschechien |
|---|---|
| Blei (Pb) | 3,0 mg/kg |
| Cadmium (Cd) | 1,0 mg/kg |
| Quecksilber (Hg) | 0,10 mg/kg |
| Arsen (As) | 0,50 mg/kg |
Für Deutschland sind diese Werte nicht verbindlich. Ein Protokoll, das Messwerte deutlich darunter ausweist, ist aber ein gutes Zeichen.
Pestizide: Warum „pestizidfrei“ schwer zu belegen ist
Hier ist die Lage am unklarsten. Einen amtlichen Grenzwert für Pestizide speziell in Kratom haben wir nicht gefunden; auch die tschechische Verordnung, die sonst sehr detailliert ist, nennt keine Pestizide. „Kratom ohne Pestizide“ oder „pestizidfrei“ lässt sich daher nur mit einem Pestizid-Screening der konkreten Charge belegen: einer Analyse auf eine lange Liste von Wirkstoffen mit Angabe der Bestimmungsgrenze. Entscheidend ist das Fazit, ob Rückstände über dieser Grenze gefunden wurden.
Keime und Salmonellen
2018 kam es in den USA zu einem Salmonellen-Ausbruch im Zusammenhang mit Kratom: 199 Erkrankte in 41 Bundesstaaten, 38 Prozent mussten ins Krankenhaus. Eine gemeinsame Quelle wurde nicht gefunden; in 33 von 66 FDA-Proben wurden Salmonellen nachgewiesen. Die tschechischen Vorgaben verlangen deshalb unter anderem: Salmonellen in 25 g nicht nachweisbar, E. coli höchstens 10² KbE/g, Hefen und Schimmel höchstens 10⁵ KbE/g.
Im Labor getestet? Laborgeprüft, Labortest, geprüfte Qualität
„Laborgeprüft“, „laborgetestet“, „labor getestet“, „geprüfte Qualität“ – all diese Formulierungen sind Behauptungen, solange kein Dokument vorliegt. Ein echter Labortest ist ein Prüfprotokoll mit:
- Name und Anschrift des Labors, idealerweise mit Akkreditierung nach ISO/IEC 17025,
- Chargennummer, die zur Packung passt,
- Datum von Probeneingang und Bericht,
- Prüfmethode und Messwerten mit Einheit, nicht nur „bestanden“.
Wie Sie ein solches Protokoll Schritt für Schritt lesen: Laboranalyse lesen.
Das Kratom-Zertifikat zur Charge: Reinheit in Zahlen
Ein vollständiges Zertifikat deckt drei Bereiche ab: Mikrobiologie, Schwermetalle und Alkaloidgehalt. In Tschechien prüft ein staatliches Labor jede Charge genau darauf: Mitragynin und 7-OH, Arsen, Blei, Cadmium, Quecksilber, Aflatoxine, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Gesamtkeimzahl, Hefen und Schimmel, E. coli und Salmonellen.
Zur „Reinheit“ gehört auch der Alkaloidgehalt. Im natürlichen Blatt kommt 7-Hydroxymitragynin nur in Spuren vor; Tschechien erlaubt in Kratom höchstens 0,1 Prozent. Ein auffällig hoher 7-OH-Wert bei angeblichem Blattpulver ist ein Warnsignal. Siehe Was ist 7-OH?
Ein Fall aus der Vergangenheit zeigt, warum das wichtig ist: In Produkten namens „Krypton“, die auch in Deutschland verkauft wurden, war laut EU-Drogenagentur das Opioid O-Desmethyltramadol beigemischt.
Kratom testen: Was Testsets können
Testsets für Verbraucher, die Schwermetalle oder den Wirkstoffgehalt in Kratom-Pulver zuverlässig bestimmen, haben wir in der Fachliteratur nicht gefunden. Auch zu frei verkäuflichen Urintests ist die Datenlage dünn: Eine Studie prüfte einen solchen Test nur an Hunden. Wer Gewissheit über ein Produkt will, braucht die Analyse eines Prüflabors.
Was ein Zertifikat nicht kann
Kein Protokoll garantiert, dass jede einzelne Packung einwandfrei ist, und keines macht Kratom harmlos. Abhängigkeit, Wechselwirkungen und Leberschäden hängen nicht von Verunreinigungen ab. Mehr: Nebenwirkungen und Risiken. Und welche Werbeversprechen sich sonst noch prüfen lassen: Bio, Premium, Qualität.
Häufige Fragen
Gibt es Kratom ohne Pestizide?
Belegen lässt sich das nur mit einem Pestizid-Screening der konkreten Charge. Einen amtlichen Grenzwert speziell für Pestizide in Kratom haben wir nicht gefunden; auch die tschechische Kratom-Verordnung nennt keine Pestizide. „Pestizidfrei“ ohne Protokoll ist eine Behauptung.
Was ist ein gutes Zertifikat für Kratom?
Eines, das Labor mit Anschrift, Chargennummer, Datum, Prüfmethode und Messwerte mit Einheiten nennt – für Mikrobiologie, Schwermetalle und Alkaloidgehalt. Anleitung: Laboranalyse lesen.
Kratom-Testset kaufen: Kann ich Kratom selbst testen?
Für Verbraucher-Testsets, die Schwermetalle, Keime oder den Mitragynin-Gehalt in Kratom-Pulver zuverlässig messen, haben wir keine unabhängige Validierung gefunden. Verlässlich sind Analysen eines Prüflabors. Zu Urintests siehe Kratom im Drogentest.
Quellen
- FDA – Laboratory Analysis of Kratom Products for Heavy Metals (2019)
- CDC – Salmonella Infections Linked to Kratom, Final Update (2018)
- Tschechien – Verordnung 448/2025 Sb., Anlagen 1 und 3 (2025)
- SZÚ – Kratom: Analysen und Bescheinigung (2026)
- EUDA – Kratom drug profile
- Mirra et al., Am J Vet Res 2026 (PMID 41429114) (2026)