Ratgeber
Was ist Kratom? Pflanze, Inhaltsstoffe und Rechtslage im Überblick
Kratom ist ein tropischer Baum aus Südostasien. Seine getrockneten Blätter werden in Europa meist als Pulver verkauft – mit einem rechtlichen Status, der viele überrascht.
Die Pflanze
Kratom ist der volkstümliche Name von Mitragyna speciosa, einem immergrünen Baum aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Er wird vier bis sechzehn Meter hoch und wächst in Thailand, Malaysia, Indonesien, auf den Philippinen und in Neuguinea. Botanisch ist er entfernt mit dem Kaffeestrauch verwandt, der zur selben Familie gehört.
Die Blattadern sind entweder grünlich-weiß oder rötlich. Daraus haben Händler die bekannten Bezeichnungen „Green“, „White“ und „Red“ abgeleitet – mehr dazu im Artikel Kratom-Sorten erklärt.
Die Inhaltsstoffe
Kratomblätter enthalten mehr als 40 chemisch verwandte Alkaloide. Der mengenmäßig wichtigste ist Mitragynin. Daneben kommen Paynanthein, Speciogynin, Speciociliatin und in sehr geringen Mengen 7-Hydroxymitragynin (7-OH) vor. Der Gesamtgehalt an Alkaloiden liegt im getrockneten Blatt laut der EU-Drogenagentur EUDA bei etwa 0,5 bis 1,5 Prozent.
Mitragynin und 7-OH wirken als sogenannte partielle Agonisten am μ-Opioidrezeptor. Das unterscheidet sie chemisch deutlich von Morphin, obwohl sie an derselben Stelle im Körper ansetzen. Ausführlich: Was ist Mitragynin?
Traditionelle Verwendung
In Südostasien werden frische oder getrocknete Blätter seit Generationen gekaut oder als Aufguss getrunken – traditionell etwa von Feldarbeitern gegen Müdigkeit bei langer körperlicher Arbeit. In der Volksmedizin der Region wurde Kratom außerdem gegen Durchfall und Husten eingesetzt. Thailand hat Kratom im August 2021 aus der Liste der Betäubungsmittel gestrichen.
Kratom in Europa
In Europa wird Kratom fast ausschließlich online verkauft, meist als fein gemahlenes Blattpulver, seltener als Tabletten, Kapseln oder Extrakt. Die Rechtslage unterscheidet sich von Land zu Land erheblich: In Polen, Italien, Frankreich, Irland, Schweden und weiteren Staaten ist Kratom als Betäubungsmittel verboten, in Deutschland, Österreich, Ungarn, Spanien und den Niederlanden nicht. Eine Übersicht finden Sie unter Rechtslage.
Rechtlicher Status in Deutschland
- Kein Betäubungsmittel: Weder die Pflanze noch Mitragynin oder 7-OH stehen in den Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG).
- Kein neuer psychoaktiver Stoff im Sinne des NpSG: Auch dort ist Kratom nicht gelistet.
- Kein zugelassenes Arzneimittel: Das BfArM hat im Juli 2025 klargestellt, dass Kratom in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen ist. Ob ein konkretes Produkt als Arzneimittel gilt, entscheiden die Landesbehörden.
- Kein zugelassenes Lebensmittel: Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) wäre Kratom als Lebensmittel ein nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel.
Mehr dazu im Artikel Ist Kratom in Deutschland legal?
Risiken
BfArM und BfR warnen vor Abhängigkeit, Entzugserscheinungen, Leber- und Nierenschäden sowie vor gefährlichen Wechselwirkungen mit Alkohol, Medikamenten und anderen Substanzen. Die meisten dokumentierten Todesfälle betrafen Mischkonsum. Einzelheiten unter Nebenwirkungen und Risiken.