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Kratom-Kompass

Ratgeber

Laboranalyse lesen: Was im Prüfzertifikat für Kratom stehen sollte

Viele Shops werben mit „laborgeprüft“. Was das wert ist, steht im Kleingedruckten des Zertifikats. So lesen Sie es.

Stand: · 8 Min. Lesezeit

Laborzertifikat neben einem Beutel mit grünem Pulver

Im englischsprachigen Raum heißt das Dokument Certificate of Analysis, kurz CoA. Auf Deutsch spricht man von Prüfbericht oder Analysezertifikat. Gemeint ist immer dasselbe: Ein Labor hat eine Probe untersucht und schreibt auf, was es gefunden hat.

Der Kopf: Wer hat was wann geprüft?

Bevor Sie auf Messwerte schauen, prüfen Sie die Formalien. Fehlt eines dieser Elemente, ist der Rest kaum zu bewerten:

  • Name und Anschrift des Labors. Idealerweise mit Hinweis auf eine Akkreditierung nach ISO/IEC 17025 – das ist der internationale Standard für Prüflabore.
  • Auftraggeber – in der Regel der Shop oder sein Lieferant.
  • Probenbezeichnung und Chargennummer. Die Nummer sollte zu der Angabe auf Ihrer Packung oder auf der Produktseite passen.
  • Datum des Probeneingangs und des Berichts. Eine drei Jahre alte Analyse sagt über die heutige Ware nichts.
  • Unterschrift oder Freigabevermerk einer verantwortlichen Person.

Mikrobiologie

Pflanzenpulver werden nicht erhitzt und können Keime tragen. Typische Prüfpunkte sind:

Parameter Was er aussagt Gutes Ergebnis
Salmonellen Krankheitserreger, in den USA 2018 Auslöser eines Ausbruchs im Zusammenhang mit Kratom „nicht nachweisbar in 25 g“
E. coli Hinweis auf fäkale Verunreinigung unterhalb der Nachweisgrenze
Gesamtkeimzahl (aerob) allgemeine Hygiene bei Ernte, Trocknung und Verpackung niedrig, mit Zahlenwert (KbE/g)
Hefen und Schimmelpilze Feuchtigkeit bei Lagerung oder Transport niedrig, mit Zahlenwert (KbE/g)

KbE steht für koloniebildende Einheiten pro Gramm – eine Zählung der vermehrungsfähigen Keime.

Schwermetalle

Pflanzen nehmen Metalle aus dem Boden auf. Geprüft werden üblicherweise Blei (Pb), Cadmium (Cd), Quecksilber (Hg) und Arsen (As). Die Werte stehen in mg/kg oder ppm (das ist dasselbe). Achten Sie darauf, dass Zahlen angegeben sind und nicht nur „bestanden“. Ein „bestanden“ ohne Bezugsgröße lässt offen, welcher Grenzwert überhaupt angelegt wurde.

Für Kratom gibt es in der EU keine eigenen Grenzwerte, weil es nicht als Lebensmittel zugelassen ist. Labore orientieren sich daher meist an Werten für Kräuter, Tee oder Nahrungsergänzungsmittel. Steht im Bericht, welche Referenz verwendet wurde, ist das ein Zeichen von Sorgfalt.

Alkaloidgehalt

Der wichtigste Inhaltsstoff des Kratom-Blatts ist das Alkaloid Mitragynin. Sein Anteil schwankt je nach Herkunft, Erntezeit und Verarbeitung. Ein Prüfbericht gibt ihn meist in Prozent an. Manche Labore messen zusätzlich 7-Hydroxymitragynin (7-OH), das im natürlichen Blatt nur in sehr geringer Menge vorkommt.

Ein Warnsignal: Liegt der 7-OH-Wert bei einem angeblich naturbelassenen Blattpulver auffällig hoch, wurde das Produkt womöglich angereichert. Hintergründe im Artikel Was ist 7-OH?.

Pestizide

Umfangreichere Prüfberichte enthalten ein Pestizid-Screening mit einer langen Liste von Wirkstoffen. Hier genügt der Blick auf das Fazit: Wurden Rückstände über der Bestimmungsgrenze gefunden, und wenn ja, welche?

Fünf Anzeichen für einen schwachen oder fragwürdigen Nachweis

  1. Kein Laborname oder keine Anschrift.
  2. Keine Chargennummer, oder dieselbe Analyse für jede Sorte im Shop.
  3. Nur „bestanden“ oder „negativ“, keine Zahlen und keine Nachweisgrenzen.
  4. Das Dokument ist ein Bild mit geschwärzten Stellen, die über Formalien hinausgehen.
  5. Das Datum liegt Jahre zurück.

Kein Zertifikat garantiert, dass jede einzelne Packung einwandfrei ist. Aber ein vollständiger, aktueller Prüfbericht zeigt, dass ein Händler sich die Mühe macht – und das ist bei einem unregulierten Produkt bereits ein Unterschied.