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Kratom-Kompass

Ratgeber

Mitragynin-Pseudoindoxyl: Was ist das? Wirkung, Risiken und US-Verbot 2026

Seit 2024 tauchen online Produkte mit einem Stoff auf, den kaum jemand kannte: Mitragynin-Pseudoindoxyl. Mit klassischem Kratom-Pulver hat er wenig zu tun.

Stand: · 4 Min. Lesezeit

Kapseln, Tabletten und Extraktfläschchen neben grünem Pulver

Was ist Mitragynin-Pseudoindoxyl?

Mitragynin-Pseudoindoxyl, kurz MP, ist ein Abkömmling des Kratom-Hauptalkaloids Mitragynin. Chemisch entsteht es durch eine oxidative Umlagerung: Aus dem Indol-Gerüst von Mitragynin wird ein sogenanntes Spiro-Pseudoindoxyl-Gerüst (Váradi et al., 2016). Laut einer Studie von 2025 sind 7-OH und MP in frischen Kratomblättern nicht nachweisbar oder nicht vorhanden (Hill et al., 2025).

Interessant ist ein Laborbefund von 2020: Gibt man 7-OH in menschliches Blutplasma, wird es dort zu Mitragynin-Pseudoindoxyl umgewandelt – in deutlich größerem Umfang als im Plasma von Maus, Ratte, Hund oder Affe (Kamble et al., 2020). Ob und wie viel MP nach dem Konsum von Kratom im Körper entsteht, ist damit noch nicht beantwortet.

Grundlagen zu den Ausgangsstoffen: Was ist Mitragynin? und Was ist 7-OH?

Mitragynin-Pseudoindoxyl: Wirkung laut Forschung

Alle Wirkungsdaten stammen aus dem Labor und aus Tierversuchen:

  • Sehr hohe Potenz: In einem Versuch an Meerschweinchen-Darmgewebe wirkte MP bereits in einer 100-fach niedrigeren Konzentration als Mitragynin und einer 20-fach niedrigeren als Morphin (Yamamoto et al., 1999).
  • Mischprofil am Rezeptor: MP aktiviert den μ-Opioidrezeptor und blockiert den δ-Rezeptor. Es rekrutierte im Labor kein β-Arrestin-2, einen Signalweg, der mit typischen Opioid-Nebenwirkungen in Verbindung gebracht wird (Váradi et al., 2016).
  • Mäuse: In derselben Studie entwickelte sich die Toleranz langsamer als bei Morphin, Atemdämpfung und körperliche Abhängigkeit waren geringer.

Diese Befunde machten MP für die Arzneimittelforschung interessant. Für Menschen gibt es keine zugelassene Anwendung und keine klinischen Studien zur Sicherheit.

Was im Handel verkauft wird

Seit 2024 werden in den USA Produkte mit MP angeboten, oft als „Kratom“ bezeichnet:

  • Eine Auswertung von 304 halbsynthetischen Produkten (September 2024 bis Februar 2025) fand 14,5 % Kombinationen aus 7-OH und MP und 3,3 % reine MP-Produkte (Hill et al., 2025).
  • Eine zweite Untersuchung von 51 MP-Produkten zählte bei 69 % kinderansprechende Aromen; nur 18 % der Verkaufsseiten erwähnten, dass die Produkte Opioidrezeptoren aktivieren (White et al., 2025).

US-Verbot: DEA stuft MP im August 2026 ein

Die US-Drogenbehörde DEA hat am 26. August 2026 per vorläufiger Anordnung Mitragynin-Pseudoindoxyl sowie die verwandten Stoffe MGM-15 und MGM-16 in Schedule I eingestuft, die strengste Kategorie des US-Betäubungsmittelrechts. Die Behörde begründete das damit, eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit abzuwenden. Für 7-OH selbst lief zum selben Zeitpunkt noch das Verfahren (siehe 7-OH).

Und in Europa?

In Deutschland, Österreich und der EU ist uns keine Regelung bekannt, die MP namentlich nennt. Fehlende Nennung heißt nicht „sicher“: Die DEA hat MP gerade wegen seiner Gefährlichkeit eingestuft, und Daten zur Sicherheit beim Menschen gibt es nicht. Allgemeine Risiken: Nebenwirkungen und Risiken; Rechtslage: Kratom in Europa.

Häufige Fragen

Ist Mitragynin-Pseudoindoxyl in Deutschland legal?

Der Stoff steht nicht namentlich in den Anlagen I bis III des BtMG und nicht in Anlage 1 des NpSG (geprüft am 3. 10. 2026). Ob er unter eine der Stoffgruppen des NpSG fallen könnte, haben wir nicht abschließend geprüft. Als Lebensmittel oder Arzneimittel ist er nicht zugelassen.

Ist Mitragynin-Pseudoindoxyl in Kratom-Pulver enthalten?

In frischen Kratomblättern ist es nach dem Stand der Forschung nicht oder kaum nachweisbar. Im Labor entsteht es beim Menschen aus 7-OH, wenn dieses mit Blutplasma in Kontakt kommt. Die Produkte im Handel sind halbsynthetisch hergestellt.

Quellen

  1. Váradi et al., J Med Chem 2016 (PMC5344672) (2016)
  2. Yamamoto et al., Gen Pharmacol 1999 (PMID 10428019) (1999)
  3. Kamble et al., ACS Pharmacol Transl Sci 2020 (PMC7737207) (2020)
  4. Hill et al., Drug Alcohol Depend 2025 (PMC12138786) (2025)
  5. White et al., Subst Use Misuse 2025 (PMID 40568898) (2025)
  6. Federal Register 2026-17429 – Temporary Placement of Mitragynine Pseudoindoxyl, MGM-15, and MGM-16 in Schedule I (2026)
  7. BtMG Anlage I
  8. NpSG Anlage 1