Ratgeber
Kratom und Autofahren: Was das Gesetz sagt, Fahrtüchtigkeit und MPU
Kratom steht in keiner Grenzwertliste des Straßenverkehrsrechts. Daraus zu schließen, man dürfe nach Kratom fahren, wäre aber ein teurer Irrtum.
„Kratom ist doch legal – dann darf ich damit auch fahren?“ Diese Rechnung geht nicht auf. Das Straßenverkehrsrecht unterscheidet zwischen Stoffen mit festen Nachweisgrenzen und allen anderen berauschenden Mitteln. Kratom gehört zur zweiten Gruppe – und dort gibt es keine Schwelle, unter der Sie sicher sind.
Kratom und Autofahren: Was das Gesetz sagt
§ 24a StVG: Kratom steht nicht in der Liste
§ 24a des Straßenverkehrsgesetzes macht das Fahren unter bestimmten Substanzen zur Ordnungswidrigkeit, mit Geldbuße bis zu 3.000 Euro. Für Alkohol und THC nennt das Gesetz Grenzwerte, für weitere Stoffe gilt eine abschließende Liste in der Anlage: Morphin (Heroin), Kokain, Amfetamin, Metamfetamin sowie die Designer-Amfetamine MDA, MDE und MDMA. Mitragynin und Kratom stehen nicht darin (geprüft am 5. 10. 2026).
§ 316 StGB: Trunkenheit im Verkehr – auch ohne Alkohol
Entscheidend ist eine andere Vorschrift. § 316 des Strafgesetzbuchs bestraft, wer ein Fahrzeug führt, „obwohl er infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, das Fahrzeug sicher zu führen“. Strafbar ist das auch bei Fahrlässigkeit; die Strafe reicht bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe. Eine Stoffliste gibt es hier nicht – maßgeblich ist allein, ob Sie sicher fahren konnten.
§ 315c StGB: wenn jemand gefährdet wird
Kommt es dabei zu einer konkreten Gefahr für Leib oder Leben eines anderen Menschen oder für fremde Sachen von bedeutendem Wert, greift § 315c StGB (Gefährdung des Straßenverkehrs) mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.
Auto fahren nach Kratom: Warum Fahrtüchtigkeit das Problem ist
Kratom wirkt auf das zentrale Nervensystem. Das BfR beschreibt in Fallberichten unter anderem Schwindel, Schläfrigkeit, Benommenheit, Verwirrtheit und Ohnmacht, die WHO zusätzlich Zittern und Krampfanfälle. Laut EU-Drogenagentur wirken hohe Mengen dämpfend. Dazu kommt, dass der Mitragynin-Gehalt von Charge zu Charge stark schwankt – die Wirkung ist schwer vorherzusehen.
Die WHO hält fest, dass Kratom und Mitragynin mit Fällen von Fahren unter Substanzeinfluss in Verbindung gebracht wurden, ihre Rolle bei der Beeinträchtigung in den meisten Fällen aber nicht geklärt werden konnte. Das ist keine Entwarnung, sondern eine Datenlücke.
Besonders riskant ist die Kombination mit Alkohol, Beruhigungsmitteln, Cannabis oder Opioiden. Siehe Wechselwirkungen.
Kratom beim Autofahren: Test bei der Polizeikontrolle?
Wir geben keine Hinweise, wie sich Tests umgehen lassen. Wichtig ist etwas anderes: Für § 316 StGB kommt es nicht darauf an, ob ein Schnelltest anschlägt, sondern ob Sie fahrtüchtig waren. Was Labore beim Nachweis von Mitragynin leisten können, erklärt der Ratgeber Kratom im Drogentest.
Kratom und MPU: Was die Fahrerlaubnis-Verordnung sagt
Unabhängig von einer einzelnen Fahrt prüft die Fahrerlaubnisbehörde die Eignung zum Führen von Fahrzeugen. Die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) behandelt dabei nicht nur Betäubungsmittel, sondern ausdrücklich auch „andere psychoaktiv wirkende Stoffe“:
- Anlage 4 Nr. 9.3: Abhängigkeit von anderen psychoaktiv wirkenden Stoffen – keine Fahreignung.
- Anlage 4 Nr. 9.4: missbräuchliche Einnahme, definiert als „regelmäßig übermäßiger Gebrauch“ – keine Fahreignung.
- Anlage 4 Nr. 9.5: Nach Entgiftung und Entwöhnung ist die Eignung in der Regel nach einjähriger Abstinenz wieder möglich.
Nach § 14 FeV ordnet die Behörde ein ärztliches Gutachten an, wenn Tatsachen auf Abhängigkeit oder Missbrauch hindeuten. Ein medizinisch-psychologisches Gutachten (MPU) wird unter anderem angeordnet, wenn die Fahrerlaubnis aus diesen Gründen bereits entzogen war oder geklärt werden muss, ob der Konsum weitergeht.
Für regelmäßige Kratom-Nutzer ist das relevant, weil Kratom abhängig machen kann. Mehr dazu: Kratom-Sucht und Abhängigkeit.
Kurz gesagt
- Keine Grenzwertliste nennt Kratom – das schützt Sie nicht.
- Wer nach Kratom nicht sicher fährt, macht sich strafbar.
- Wer abhängig ist oder regelmäßig zu viel konsumiert, kann die Fahrerlaubnis verlieren.
Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung. Stand der Gesetzestexte: 5. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Darf ich nach Kratom Auto fahren?
Nur, wenn Sie sicher fahren können – und genau das ist nach einer psychoaktiven Substanz schwer selbst einzuschätzen. Wer infolge „anderer berauschender Mittel“ nicht sicher fahren kann, macht sich nach § 316 StGB strafbar, auch fahrlässig. Einen Grenzwert, unter dem Sie auf der sicheren Seite wären, gibt es für Kratom nicht.
Kann Kratom zur MPU führen?
Ja, möglich. Nach § 14 FeV ordnet die Fahrerlaubnisbehörde ein ärztliches Gutachten an, wenn Tatsachen auf Abhängigkeit von oder Missbrauch „anderer psychoaktiv wirkender Stoffe“ hindeuten; eine MPU wird unter anderem angeordnet, wenn die Fahrerlaubnis deshalb schon entzogen war oder zu klären ist, ob der Konsum weitergeht.
Wird Kratom beim Drogentest in der Verkehrskontrolle erkannt?
Für die Strafbarkeit nach § 316 StGB kommt es nicht auf einen bestimmten Test an, sondern darauf, ob Sie fahrtüchtig waren. Was Labor- und Schnelltests zu Mitragynin können, erklären wir in Kratom im Drogentest.