Ratgeber
Kratom-Sucht: Abhängigkeitspotenzial, Toleranz und Warnsignale
Kratom wird oft als „pflanzlich“ und damit harmlos wahrgenommen. Beim Abhängigkeitspotenzial ist die Datenlage dagegen deutlich: Regelmäßiger Gebrauch kann abhängig machen.
„Kann das abhängig machen?“ – Diese Frage stellen viele erst, wenn sie merken, dass ihnen etwas fehlt. Bei Kratom ist die Antwort eindeutig: ja. Wie hoch das Risiko für den Einzelnen ist, hängt von Häufigkeit, Dauer, Menge und Produkt ab.
Wie groß ist die Suchtgefahr bei Kratom?
Die wichtigste Studie stammt aus Malaysia, wo Kratom traditionell verbreitet ist. Singh und Kollegen (2014) befragten 293 regelmäßige Nutzer (Gebrauch länger als sechs Monate):
- mehr als die Hälfte hatte eine schwere Abhängigkeit,
- 45 Prozent eine mittelschwere,
- wer täglich mehrere Gläser Kratom-Getränk trank, hatte ein höheres Risiko für schwere Abhängigkeit, Entzugssymptome und Verlangen.
Die Weltgesundheitsorganisation fasst 2021 zusammen: Nach Ende regelmäßigen Gebrauchs können Entzugssymptome auftreten; das Missbrauchspotenzial beim Menschen ist aber nur begrenzt belegt, und Tierversuche zeigen kein einheitliches Bild. Die FDA weist darauf hin, dass eine sorgfältig geplante Studie zum Missbrauchspotenzial am Menschen noch aussteht. In Deutschland warnen BfArM und BfR ausdrücklich vor Abhängigkeit und Entzugserscheinungen.
Kurz: Das Abhängigkeitspotenzial von Blattpulver ist nicht so gut untersucht wie das von Opioiden – aber es ist real und bei regelmäßigem Gebrauch häufig.
Abhängigkeitspotenzial von 7-OH-Produkten
Ganz anders sieht es bei Produkten mit angereichertem 7-Hydroxymitragynin aus. Laut FDA wird 7-OH von Tieren selbst verabreicht – ein klassisches Zeichen für Suchtpotenzial, das für Mitragynin nicht gilt – und verursacht körperliche Abhängigkeit und Entzugserscheinungen, wie sie von klassischen Opioiden bekannt sind. Wer Tabletten, Shots oder Gummis mit 7-OH verwendet, hat es mit einem Opioid zu tun. Siehe Was ist 7-OH?
Toleranz: wenn die gewohnte Menge nicht mehr reicht
Toleranz bedeutet, dass für dieselbe Wirkung mehr nötig ist. Die FDA nennt sie ausdrücklich als eines der Merkmale, die bei kratombedingter Abhängigkeit beobachtet wurden. Wie schnell sie entsteht, dazu haben wir keine belastbaren Zahlen gefunden. Erschwerend kommt hinzu, dass der Gehalt an Mitragynin von Charge zu Charge stark schwankt – eine „gewohnte Menge“ ist bei Kratom ohnehin unscharf.
Warnsignale einer Kratom-Abhängigkeit
Die FDA beschreibt Fälle, in denen Menschen die Kriterien einer Substanzgebrauchsstörung erfüllten. Daran können Sie sich orientieren:
- Sie nehmen länger oder mehr als geplant.
- Sie spüren ein starkes Verlangen.
- Sie machen weiter, obwohl es Ihnen schadet – körperlich, finanziell oder im Privatleben.
- Sie brauchen mehr für dieselbe Wirkung (Toleranz).
- Ohne Kratom treten Entzugsbeschwerden auf, etwa Unruhe, Schlafprobleme, Muskelschmerzen, laufende Nase oder Durchfall.
Treffen mehrere Punkte zu, lohnt sich ein Gespräch mit einer Fachperson.
Kratom absetzen
Wer regelmäßig Kratom genommen hat, kann beim Absetzen Entzugserscheinungen bekommen. Laut WHO sind sie meist mild und milder als nach Morphin; nach 7-OH-Produkten fallen sie opioidtypisch aus. Lassen Sie sich begleiten – ärztlich oder von einer Suchtberatung –, besonders wenn Sie Konzentrate verwendet haben oder weitere Substanzen nehmen. Entzugsbeschwerden mit Alkohol oder Schlafmitteln zu dämpfen, ist gefährlich. Symptome und Verlauf: Kratom-Entzug.
Abhängigkeit kann außerdem Folgen jenseits der Gesundheit haben: Nach der Fahrerlaubnis-Verordnung schließt eine Abhängigkeit von psychoaktiv wirkenden Stoffen die Fahreignung aus. Siehe Kratom und Autofahren.
Wo Sie Hilfe finden
- Sucht & Drogen Hotline: 01806 313031 – bundesweit, täglich von 8 bis 24 Uhr, 0,20 € pro Anruf. Fachkräfte aus der Drogen- und Suchthilfe beraten Betroffene und Angehörige und vermitteln an Hilfsangebote vor Ort.
- Suchtberatungsstellen in Ihrer Stadt oder Ihrem Landkreis.
- Hausärztin oder Hausarzt – offen über Menge, Dauer und Produkt sprechen.
- Im Notfall: 112.
Mehr über alle Risiken: Nebenwirkungen und Risiken.
Häufige Fragen
Macht Kratom süchtig?
Ja, regelmäßiger Gebrauch kann abhängig machen. In einer Studie mit 293 regelmäßigen Nutzern in Malaysia entwickelte mehr als die Hälfte eine schwere Abhängigkeit. Die WHO bewertet das Missbrauchspotenzial beim Menschen als begrenzt belegt, bestätigt aber Entzugssymptome nach regelmäßigem Gebrauch.
Wie schnell entsteht eine Toleranz bei Kratom?
Belastbare Zahlen dazu haben wir nicht gefunden. Die FDA beschreibt Toleranz – also die Notwendigkeit, die Menge zu steigern, um dieselbe Wirkung zu erzielen – als eines der Merkmale kratombedingter Abhängigkeit.
Kann ich Kratom einfach absetzen?
Nach regelmäßigem Gebrauch können Entzugserscheinungen auftreten, nach WHO meist mild. Nach konzentrierten 7-OH-Produkten sind sie opioidtypisch. Lassen Sie sich beim Absetzen ärztlich oder von einer Suchtberatung begleiten. Mehr: Kratom-Entzug.