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Ratgeber

Ist Kratom gesund? Energie, Schmerzen, Konzentration – was belegt ist und was nicht

Im Netz wird Kratom gern als pflanzlicher Allrounder beschrieben: für Energie, gegen Schmerzen, für den Kopf. Was davon Geschichte ist, was Behauptung – und was die Behörden sagen.

Stand: · 6 Min. Lesezeit

Frisches Kratomblatt im Gegenlicht auf einem Leinentuch

„Natürlich“ und „gesund“ werden oft gleichgesetzt. Bei Kratom ist das ein Fehlschluss. Kratom wirkt am Opioidrezeptor, kann abhängig machen und beeinflusst den Abbau von Medikamenten. Gleichzeitig hat die Pflanze eine lange Geschichte in der Volksmedizin Südostasiens. Beides gehört zur ehrlichen Antwort.

Was Behörden sagen

  • BfArM (2025): Kratom ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen; Sicherheit und Wirksamkeit sind nicht ausreichend geprüft. Das BfArM warnt Patientinnen und Patienten ausdrücklich davor, Kratom zu medizinischen Zwecken anzuwenden.
  • BfR (2025): Kratom-Produkte werden häufig mit positiven gesundheitlichen Wirkungen beworben. Diese sind „wissenschaftlich allerdings nicht belegt“, die Risiken bisher nicht gut untersucht.
  • WHO (2021): Menschen nutzen Kratom zur Selbstbehandlung verschiedener Beschwerden; die Forschung zum möglichen therapeutischen Nutzen läuft noch.

Kratom für Energie: die traditionelle Verwendung

Die EU-Drogenagentur EUDA und das BfR beschreiben, dass in Südostasien Arbeiter Kratomblätter kauten, um Müdigkeit bei langer körperlicher Arbeit zu begegnen. Laut EUDA wirken niedrige Mengen eher anregend, hohe dämpfend. Das ist eine historische und pharmakologische Beschreibung – keine Empfehlung. Weil der Wirkstoffgehalt stark schwankt, lässt sich nicht vorhersagen, ob ein Produkt anregt oder dämpft. Mehr: Kratom Wirkung.

Kratom gegen Schmerzen?

Die WHO schreibt, dass Studien am Menschen schmerzlindernde Effekte von Kratom gezeigt haben, und das BfR erwähnt die traditionelle Verwendung zur Schmerzlinderung. Daraus folgt aber keine Empfehlung: Kratom ist kein zugelassenes Schmerzmittel, die Wirkung beruht auf Opioidrezeptoren – mit den bekannten Risiken wie Abhängigkeit – und die Kombination mit Schmerzmitteln, besonders Opioiden, kann gefährlich sein. Wer Schmerzen hat, gehört in ärztliche Behandlung. Siehe Wechselwirkungen.

Kratom für Konzentration und Kreativität

Zu Konzentration oder Kreativität haben wir keine belastbaren Studien am Menschen gefunden. Was es gibt, sind Erfahrungsberichte – und die sind, wie eine Studie mit 644 Nutzern zeigt, stark von Erwartungen und Werbetexten geprägt. Siehe Erfahrungsberichte einordnen. Dem stehen beschriebene Nebenwirkungen wie Schläfrigkeit, Schwindel und Verwirrtheit gegenüber (BfR).

Kann Kratom gegen Durchfall helfen?

In der traditionellen Medizin Südostasiens wurde Kratom laut EUDA unter anderem bei Durchfall und Husten verwendet; die FDA berichtet, dass manche Menschen in den USA es zur Selbstbehandlung von Durchfall nutzen. Das ist kein Wirksamkeitsnachweis. Bemerkenswert ist die Kehrseite: Die FDA nennt Verstopfung als opioidtypische Wirkung, und beim Absetzen nach regelmäßigem Gebrauch gehört Durchfall zu den häufig berichteten Entzugssymptomen (Singh et al., 2014). Anhaltender Durchfall gehört ärztlich abgeklärt.

Kratom, Sport und Potenz

Sport: Studien zur sportlichen Leistungsfähigkeit haben wir nicht gefunden. Die WHO nennt Herzrasen und Bluthochdruck unter den Wirkungen bei Kratom-Vergiftungen – bei körperlicher Belastung ein ernstzunehmender Punkt.

Potenz: Dazu haben wir keine belastbare Quelle gefunden. Behauptungen in die eine oder andere Richtung sind unbelegt.

Was gegen „gesund“ spricht

Den unbelegten Versprechen stehen belegte Risiken gegenüber:

  • Abhängigkeit: über die Hälfte schwer abhängig in einer Studie mit 293 regelmäßigen Nutzern. Siehe Kratom-Sucht.
  • Leber und Nieren: Fallberichte bis zum Organversagen (BfR).
  • Wechselwirkungen: schon kleine Mengen veränderten den Abbau eines Medikaments.
  • Verunreinigungen: Salmonellen und Schwermetalle wurden in Produkten gefunden. Siehe Pestizide und Schwermetalle.

Wer gesundheitliche Beschwerden hat, sollte sie ärztlich behandeln lassen – nicht mit einem Produkt, dessen Gehalt und Wirkung niemand garantiert. Im Notfall: 112.

Häufige Fragen

Ist Kratom gesund?

Nein, nach heutigem Wissen nicht. Kratom ist nicht als Arzneimittel zugelassen, gesundheitliche Werbeversprechen sind laut BfR nicht belegt, und es sind ernste Risiken bekannt: Abhängigkeit, Wechselwirkungen mit Medikamenten, Leber- und Nierenschäden. Überblick: Nebenwirkungen und Risiken.

Kann Kratom gegen Durchfall helfen?

In der Volksmedizin Südostasiens wurde Kratom unter anderem bei Durchfall verwendet (EUDA), und in den USA nutzen manche es laut FDA zur Selbstbehandlung. Belege aus zulassungsrelevanten Studien gibt es nicht. Durchfall wird zudem häufig als Entzugssymptom berichtet. Anhaltender Durchfall gehört ärztlich abgeklärt.

Kratom für Energie und Sport?

Traditionell kauten Arbeiter in Südostasien Kratom gegen Müdigkeit bei langer körperlicher Arbeit. Studien zur Leistungsfähigkeit im Sport haben wir nicht gefunden. Beschrieben sind dagegen Herzrasen und Bluthochdruck – bei körperlicher Belastung kein gutes Zusammenspiel.

Hat Kratom einen Einfluss auf die Potenz?

Dazu haben wir keine belastbare Quelle gefunden. Weder WHO, FDA noch BfR äußern sich dazu. Fragen zur Potenz gehören in die ärztliche Sprechstunde – auch weil Kratom den Abbau vieler Medikamente beeinflussen kann.

Quellen

  1. BfArM – Pressemitteilung 09/25 (2025)
  2. BfR – Mitteilung 032/2025 (2025)
  3. EUDA – Kratom drug profile
  4. WHO – 44th ECDD, Annex I (2021)
  5. FDA – FDA and Kratom (2025)
  6. Singh et al., Drug Alcohol Depend 2014 (PMID 24698080) (2014)