Ratgeber
Kratom Wirkung: Was die Forschung tatsächlich weiß
Über die Wirkung von Kratom kursieren viele Erfahrungsberichte. Hier steht, was sich mit Studien belegen lässt – und was nicht.
Wo Kratom im Körper ansetzt
Die wichtigsten Wirkstoffe sind Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin (7-OH). Beide binden an den μ-Opioidrezeptor, aktivieren ihn aber nur teilweise (partielle Agonisten). Mitragynin bindet laut WHO zusätzlich an adrenerge, serotonerge und dopaminerge Rezeptoren. Ein Teil des Mitragynins wird in der Leber zu 7-OH umgewandelt, das deutlich stärker am Opioidrezeptor wirkt. Ausführlich: Was ist Mitragynin?
Wirkung hängt von der Menge ab
Die EU-Drogenagentur EUDA beschreibt eine zweigeteilte Wirkung: Niedrige Mengen wirken eher anregend, hohe eher dämpfend und opioidartig. Das deckt sich mit der traditionellen Verwendung in Südostasien, wo Arbeiter Blätter kauten, um lange körperliche Arbeit durchzuhalten.
Weil der Mitragynin-Gehalt von Pulver zu Pulver stark schwankt (siehe Mitragynin-Gehalt), lässt sich aus Grammangaben anderer Leute wenig ableiten. Hinzu kommt, dass die Umwandlung zu 7-OH von Leberenzymen abhängt, die bei jedem Menschen unterschiedlich aktiv sind und durch Medikamente beeinflusst werden.
Was nicht belegt ist
- Heilwirkungen. Kratom ist in Deutschland kein zugelassenes Arzneimittel. Das BfArM betont, dass Wirksamkeit und Sicherheit nicht ausreichend untersucht sind. Behauptungen, Kratom helfe gegen Schmerzen, Depressionen oder beim Opioidentzug, beruhen auf Erfahrungsberichten und Umfragen, nicht auf zulassungsrelevanten Studien.
- Unterschiede zwischen Sorten. Siehe Kratom-Sorten erklärt.
- Ein „sicheres“ Opioid. Laborbefunde zur bevorzugten Signalübertragung (G-Protein statt β-Arrestin) haben Hoffnungen geweckt, dass Mitragynin weniger atemdämpfend wirkt als klassische Opioide. Für den Menschen ist das nicht belegt – und für konzentriertes 7-OH gilt das Gegenteil.
Was belegt ist
- Regelmäßiger Gebrauch kann zu Abhängigkeit führen.
- Kombinationen mit Alkohol, Beruhigungsmitteln oder Opioiden sind gefährlich.
- Es gibt Fallberichte über Leberschäden.
Mehr dazu unter Nebenwirkungen und Risiken und Wechselwirkungen.
Häufige Fragen
Hat Kratom eine Opiat-Wirkung?
Teilweise. Mitragynin und 7-OH aktivieren den μ-Opioidrezeptor, an dem auch Morphin wirkt – aber nur teilweise (partielle Agonisten). Laut EUDA wirken hohe Mengen dämpfend und opioidartig, niedrige eher anregend. Chemisch ist Kratom kein Opiat, also kein Stoff aus dem Schlafmohn.
Kratom-Wirkung im Gehirn: Welche Rezeptoren?
Im Gehirn setzt Kratom vor allem an Opioidrezeptoren an: Mitragynin aktiviert im Labor den μ-Opioidrezeptor teilweise und hemmt κ- und δ-Opioidrezeptoren (Kruegel et al., 2016). Laut WHO bindet es zusätzlich an adrenerge, serotonerge und dopaminerge Rezeptoren. Ein Teil wird in der Leber zu 7-OH umgebaut, das im Gehirn deutlich stärker am Opioidrezeptor wirkt.
Kratom-Erfahrung: Was taugen Erfahrungsberichte zu Kratom-Pulver?
Erfahrungsberichte zeigen, wie Menschen Kratom erleben – nicht, was es objektiv bewirkt. Eine Befragung von 644 Nutzern ergab, dass beschriebene Sortenunterschiede den Werbetexten folgten, obwohl die Laborwerte der Produkte sich kaum unterschieden (Huisman et al., 2023). Hinzu kommt: Jede Charge Pulver enthält unterschiedlich viel Mitragynin.