Zum Inhalt springen
Kratom-Kompass Wo kaufen

Ratgeber

Kratom-Überdosis: Symptome, Todesfälle und was im Notfall zu tun ist

Eine Überdosis Kratom kann lebensbedrohlich sein, vor allem in Kombination mit anderen Substanzen. Hier steht, woran man sie erkennt und was zu tun ist.

Stand: · 5 Min. Lesezeit

Erste-Hilfe-Kasten und Telefon auf einem Küchentisch

Notfall? Bei Atemproblemen, Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Brustschmerz oder bläulichen Lippen sofort 112 anrufen. Giftnotruf: Berlin 030 19240, Bonn 0228 19240, München 089 19240.

Von einer Überdosis spricht man, wenn ein Stoff den Körper so stark belastet, dass gefährliche Symptome auftreten. Bei Kratom ist das schwer vorherzusagen: Der Wirkstoffgehalt schwankt von Charge zu Charge, Konzentrate sind um ein Vielfaches stärker als Blattpulver, und viele Zwischenfälle entstehen erst durch die Kombination mit anderen Substanzen.

Symptome einer Kratom-Überdosierung

Die Weltgesundheitsorganisation hat 2021 zusammengefasst, welche Wirkungen bei Kratom-Vergiftungen beschrieben wurden:

Bereich Beschriebene Symptome
Nervensystem und Psyche Unruhe, Verwirrtheit, starke Müdigkeit, Halluzinationen, Zittern, Krampfanfälle, Koma
Herz und Kreislauf Herzrasen, Bluthochdruck
Magen und Darm Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen
Atmung Atemdämpfung

Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ergänzt aus Fallberichten Schwindel, Benommenheit, Ohnmacht, Herzrhythmusstörungen, Lungen- und Hirnödeme, Muskelzerfall (Rhabdomyolyse) sowie Leber- und Nierenschäden bis zum Organversagen. Die FDA warnt besonders vor Krampfanfällen und Leberschäden.

Atemdämpfung erkennen: sehr langsame oder flache Atmung, bläuliche Lippen, die Person ist nicht oder kaum weckbar. Das ist ein Notfall.

Ist Kratom tödlich? Todesfälle und Mischkonsum

Todesfälle kommen vor, aber fast immer im Zusammenspiel mit anderen Stoffen:

  • USA (CDC, 2019): Von 27.338 untersuchten Überdosis-Todesfällen war bei 152 Kratom nachweisbar. Nur bei 7 war Kratom die einzige gefundene Substanz. Am häufigsten kamen Fentanyl, Heroin, Benzodiazepine, verschreibungspflichtige Opioide und Kokain hinzu.
  • WHO (2021): Mitragynin wurde bei einer Reihe von Todesfällen bestätigt, „fast alle“ betrafen aber auch andere Substanzen. Wie groß der Beitrag von Kratom war, ist deshalb unklar.
  • Deutschland: 2024 wurde erstmals ein Todesfall nach Kratom-Konsum beschrieben (laut BfR).

Mischkonsum ist also nicht nur ein Zusatzrisiko, sondern das Hauptrisiko. Welche Kombinationen besonders gefährlich sind, steht in Wechselwirkungen.

Mitragynin-Toxizität: Warum es keine sichere Grenze gibt

Gerichtsmediziner aus Nevada werteten 35 Todesfälle aus. Bei Fällen, in denen Mitragynin zur Vergiftung beitrug, lagen die Blutwerte zwischen 8,7 und 1.800 ng/ml. In Fällen mit ganz anderer Todesursache wurden ähnliche Werte gemessen (110–980 ng/ml). Ein signifikanter Unterschied fand sich nicht. Daraus folgt: Eine sichere oder eine tödliche Konzentration lässt sich nicht festlegen.

Hinzu kommt die Halbwertszeit von etwa einem Tag: Mitragynin ist am nächsten Tag noch nicht vollständig aus dem Blut verschwunden. Ausführlich: Mitragynin: Halbwertszeit und Toxizität.

Besonderes Risiko: Konzentrate und 7-OH

Produkte mit angereichertem 7-Hydroxymitragynin bewertet die FDA als besonders gefährlich: 7-OH ist am Opioidrezeptor deutlich potenter als Morphin und dämpft im Tierversuch die Atmung mehr als dreimal so stark. Solche Produkte kommen als Tabletten, Shots oder Gummis daher. Siehe Streifen, Shots, Gummis.

Was tun im Notfall?

  1. 112 anrufen, wenn jemand schwer atmet, nicht ansprechbar ist, krampft oder über Brustschmerz klagt.
  2. Nicht allein lassen. Atmung beobachten. Wer bewusstlos ist, aber atmet, gehört in die stabile Seitenlage.
  3. Informationen sammeln: Was wurde genommen, wann, ungefähr wie viel, und was noch (Alkohol, Medikamente)? Packung mitnehmen.
  4. Bei Unsicherheit ohne akute Lebensgefahr: Giftnotruf anrufen, zum Beispiel Berlin 030 19240.

Was das Risiko senkt

Die wichtigsten Faktoren sind bekannt: keine Kombination mit Alkohol, Beruhigungsmitteln, Opioiden oder anderen Drogen, keine Konzentrate, und Vorsicht bei Medikamenten. Wer merkt, dass er die Menge steigern muss oder nicht aufhören kann, findet Hilfe – siehe Kratom-Sucht. Überblick über alle Risiken: Nebenwirkungen und Risiken.

Häufige Fragen

Ist Kratom tödlich?

Es kann tödlich sein. FDA und WHO beschreiben Todesfälle als selten und fast immer mit anderen Substanzen verbunden. In Deutschland wurde 2024 ein Todesfall nach Kratom-Konsum beschrieben. Eine Menge, die als sicher gelten kann, gibt es nicht.

Welche Symptome hat eine Kratom-Überdosierung?

Beschrieben sind unter anderem Unruhe, Verwirrtheit, starke Müdigkeit, Halluzinationen, Zittern, Krampfanfälle bis zum Koma, Herzrasen, Bluthochdruck, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und eine gedämpfte Atmung (WHO 2021). Bei Atemproblemen oder Bewusstlosigkeit: 112.

Ab wann ist Mitragynin toxisch?

Das lässt sich nicht sagen. In einer Auswertung von 35 Todesfällen aus Nevada überschnitten sich die Blutwerte von Fällen, in denen Mitragynin zum Tod beitrug, mit Fällen ohne diese Rolle. Details: Mitragynin: Toxizität.

Wen rufe ich bei einer Kratom-Vergiftung an?

Bei Lebensgefahr den Rettungsdienst unter 112. Für Fragen zu einer möglichen Vergiftung die Giftnotrufzentralen, zum Beispiel Berlin 030 19240, Bonn 0228 19240 oder München 089 19240.

Quellen

  1. WHO – 44th ECDD, Annex I (2021)
  2. BfR – Mitteilung 032/2025 (2025)
  3. FDA – FDA and Kratom (2025)
  4. CDC – MMWR 68(14) (2019)
  5. Kratom-Associated Fatalities in Northern Nevada, Am J Forensic Med Pathol 2021 (PMID 34091497) (2021)
  6. FDA – 7-OH Assessment (2025)
  7. BVL – Giftnotrufzentralen (2026)