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Ratgeber

Kratom: Übelkeit, Kopfschmerzen, Blutdruck, Verstopfung, Kater – einzelne Nebenwirkungen im Überblick

Viele suchen nicht nach „Nebenwirkungen“ allgemein, sondern nach einer konkreten Beschwerde. Hier steht für jede einzeln, was amtliche Quellen dazu sagen.

Stand: · 5 Min. Lesezeit

Wasserglas, Tasse Tee und Wolldecke auf einem Nachttisch im Morgenlicht

Für diesen Artikel haben wir die drei wichtigsten amtlichen Übersichten Wort für Wort nach einzelnen Beschwerden durchsucht: die Bewertung der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2021), die Informationsseite der US-Arzneimittelbehörde FDA und die Mitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR, 2025). Was dort steht, berichten wir. Was dort nicht steht, sagen wir ebenso deutlich.

Kratom und Übelkeit

Was belegt ist: Die WHO nennt Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen unter den Magen-Darm-Beschwerden bei Kratom-Vergiftungen. Die FDA zählt Übelkeit und Erbrechen zu den „klassischen opioidartigen Wirkungen“ von Mitragynin und 7-OH.

Was das bedeutet: Übelkeit ist keine Unverträglichkeit einer bestimmten Sorte, sondern eine bekannte Wirkung der Inhaltsstoffe. Weil der Gehalt an Mitragynin von Charge zu Charge stark schwankt, kann sie auch bei einem gewohnten Produkt plötzlich auftreten. Anhaltendes Erbrechen, besonders zusammen mit Verwirrtheit oder Schläfrigkeit, ist ein Grund, Hilfe zu holen.

Kratom und Kopfschmerzen

In den Übersichten von WHO, FDA und BfR werden Kopfschmerzen als Wirkung von Kratom nicht genannt. Das heißt nicht, dass sie nicht vorkommen – nur, dass wir dazu keine belastbare Quelle gefunden haben. Das BfR beschreibt allerdings Schwindel und Benommenheit in Fallberichten. Wer nach Kratom starke oder ungewohnte Kopfschmerzen hat, sollte das ärztlich abklären lassen.

Kratom und Blutdruck

Was belegt ist:

  • Die WHO führt Herzrasen (Tachykardie) und Bluthochdruck unter den Herz-Kreislauf-Wirkungen bei Kratom-Vergiftungen auf.
  • Das BfR nennt Herzklopfen, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen in Fallberichten.
  • Die Verbraucherzentrale warnt, dass Kratom zusammen mit hohen Mengen Koffein den Blutdruck stark erhöhen kann.

Für Menschen mit Bluthochdruck oder Herzerkrankungen ist das ein ernstes Thema, umso mehr, wenn Blutdruckmedikamente über die Leberenzyme abgebaut werden, die Kratom hemmt. Siehe Wechselwirkungen.

Kratom und Verstopfung

Die FDA nennt Verstopfung ausdrücklich unter den opioidtypischen Wirkungen. Das passt zum Wirkmechanismus: Mitragynin und 7-OH setzen am μ-Opioidrezeptor an, an dem auch klassische Opioide wirken. Umgekehrt beschreibt eine Studie aus Malaysia (Singh et al., 2014) Durchfall als häufiges Entzugssymptom bei regelmäßigen Nutzern.

„Kater“ nach Kratom

Einen „Kater“ im Sinne von Beschwerden am Tag danach beschreiben weder WHO noch FDA noch BfR. Wir haben dazu keine Daten gefunden. Zwei bekannte Zusammenhänge können solche Beschwerden aber erklären:

  1. Lange Halbwertszeit: Mitragynin ist nach etwa einem Tag erst zur Hälfte aus dem Blut verschwunden (Studien: 23–45 Stunden). Siehe Mitragynin: Halbwertszeit.
  2. Entzugserscheinungen: Bei regelmäßigem Gebrauch können Unruhe, Schlafprobleme, Muskelschmerzen oder Durchfall Anzeichen eines beginnenden Entzugs sein. Siehe Kratom-Entzug.

Warnzeichen für die Leber

Eine Übersicht über Fallberichte (Schimmel & Dart, 2020) kam zu dem Schluss, dass Kratom wahrscheinlich Leberschäden verursacht. Typisch war ein Beginn nach etwa drei Wochen, mit Gelbfärbung von Haut oder Augen, Juckreiz und dunklem Urin. Solche Zeichen gehören immer ärztlich abgeklärt.

Weitere beschriebene Wirkungen

Das BfR nennt außerdem Schläfrigkeit, Verwirrtheit, Halluzinationen, Krampfanfälle, Atemstörungen, Nierenschäden und Muskelzerfall. Die FDA warnt vor Krampfanfällen und Abhängigkeit. Der vollständige Überblick steht in Nebenwirkungen und Risiken, Hinweise für den Notfall in Kratom-Überdosis.

Wann ärztliche Hilfe, wann Notruf?

Situation Was tun
Atemprobleme, Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, Brustschmerz sofort 112
anhaltendes Erbrechen, Verwirrtheit, starke Benommenheit Giftnotruf oder 112
Gelbfärbung von Haut oder Augen, dunkler Urin, Juckreiz zeitnah ärztlich abklären
anhaltende Verstopfung, Bauchschmerzen, Herzrasen ärztlich abklären
Beschwerden beim Weglassen nach regelmäßigem Gebrauch Hausarztpraxis oder Suchtberatung

Wichtig für jedes Gespräch in der Praxis: offen sagen, welches Produkt (Blattpulver, Extrakt, 7-OH), wie lange und zusammen mit welchen Medikamenten. Nur so lassen sich Wechselwirkungen erkennen.

Bei Atemproblemen, Bewusstseinsstörung, Krampfanfall oder Brustschmerz: 112. Giftnotruf Berlin 030 19240, München 089 19240.

Häufige Fragen

Ist Übelkeit nach Kratom normal?

Übelkeit und Erbrechen gehören zu den Wirkungen, die WHO und FDA für Kratom beschreiben – „normal“ im Sinne von harmlos ist das aber nicht. Hält das Erbrechen an oder kommen Verwirrtheit, Atemprobleme oder Brustschmerz hinzu: 112.

Kann Kratom den Blutdruck erhöhen?

Ja. Die WHO nennt Bluthochdruck und Herzrasen unter den beschriebenen Wirkungen bei Kratom-Vergiftungen, das BfR Herzklopfen und Herzrasen. Die Verbraucherzentrale warnt zusätzlich vor der Kombination mit viel Koffein. Siehe Kratom und Kaffee.

Macht Kratom Verstopfung?

Die FDA zählt Verstopfung zu den klassischen opioidartigen Wirkungen von Mitragynin und 7-OH. Hält sie an oder kommen Bauchschmerzen hinzu, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.

Gibt es einen Kratom-Kater?

Dazu haben wir keine belastbare Quelle gefunden – weder WHO, FDA noch BfR beschreiben einen „Kater“. Beschwerden am Folgetag können viele Ursachen haben; bei regelmäßigem Gebrauch kommen auch Entzugserscheinungen infrage. Siehe Kratom-Entzug.

Quellen

  1. WHO – 44th ECDD, Annex I (2021)
  2. FDA – FDA and Kratom (2025)
  3. BfR – Mitteilung 032/2025 (2025)
  4. Verbraucherzentrale – Kratom: erhebliches Risiko (2025)
  5. Schimmel & Dart, Drugs 2020 (PMID 31919755) (2020)
  6. Singh et al., Drug Alcohol Depend 2014 (PMID 24698080) (2014)